Betrifft Bern: Aquarin® – weniger Schmerz, mehr Empathie

Ein absolut lesenswerter Text zu diesem topaktuellen alle Berner betreffenden Thema,

Zuerst wird man da nummeriert, kategorisiert (per Fragebogen) und dann noch randomisiert. Es ging schon rein begrifflich ganz schön wissenschaftlich zu und her am Donnerstagabend in der Mansarde des Stadttheaters.

Thema an diesem Abend war gewissermassen die Transparenz, darum gleich hier vorweg: Wen sie da auf der Bühne (rechts im Bild) sehen, ist unser werter Herr Fischer, für einmal in seiner angestammten Rolle als Wissenschaftsvermittler.

Links im Bild: Peter Jüni, Professor für Klinische Epidemiologie und Direktor des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern. Der Wissenschaftler versuchte sich zu Demonstrationszwecken als Datenfolterer.

Es galt, die Wirksamkeit des neuen Präparates Aquarin® zu testen. Eine klinische Live-Studie in zwei Stunden, mit dem Publikum als Versuchpersonen. Per Münzwurf wurden die Gäste in eine rote und eine blaue Gruppe eingeteilt. Die einen erhielten Fläschen mit roten Etiketten, die anderen mit blauen. Auch dies gleich vorweg: Alle Flaschen enthielten das genau gleiche Mineralwasser.

Trotzdem gelang es Jüni und seinem Statistiker-Team nachzuweisen: Aquarin® wirkt! Wer aus den roten Fläschen trank, fühlte danach wenige Schmerz (getestet mit einer Wäscheklammer am Ohrläppchen) und zeigte mehr Empathie (getestet mit einem Fragebogen, auf dem das Publikum seine Reaktion auf verschiedene Bilder angeben sollte).

Bewiesen ist damit natürlich nichts, eigentlich. Ausser: Wenn man will, kann man gerade mit kleinen Studien fast immer einen Effekt erzeugen – und vor allem vermarkten.

Schmerz und Empathie waren nämlich nur zwei von mehr als 20 Kategorien, welche die Forscher mit dem Fragebogen untersuchten. Wenn man dann da noch gezielt die Ausreisser weglässt, erhält man statistisch signifikante Resultate.

Wie das nun genau war mit diesem so wichtigen P-Wert, wurde dann trotz den ausführlichen Erklärungen Jünis nicht ganz klar. Bisweilen war die Konzentration etwas stark gefordert in der heissen Stadttheater-Mansarde. Trotzdem war es nicht nur ein lehrreicher, sondern auch ein unterhaltsamer Abend. Im ersten Moment schien es fast wie ein Zaubertrick, wie das eine Wässerchen auf einmal eine Wirkung zeigte, zumindest statistisch.

Gleichzeitig gelang es einem souveränen Professor Jüni dem verblüfften Publikum klarzumachen, wie sich ein solcher Effekt erzeugen lässt. Wissenschaft zwischen Ernst und Spielerei – dafür gabs auch Geld vom Schweizerischen Nationalfonds, aus dem Programm für neue Wege in der Wissenschaftsvermittlung. Durchaus gut eingesetzes Geld, auch wenn sich die Investition mit dem Verkauf von Aquarin® nun wirklich nicht amortisieren lässt.

Link zum Artikel:
«KulturStattBern»

Der Autor hat mit diesem Berner-Artikel gute Arbeit geleistet!

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